14.04.07 - Kaffee Prestissimo
Ein Drittel des in Dänemark konsumierten Kaffees kommt aus einem einzigen Unternehmen. Dort liefen die Verpackungsanlagen heiß. Zeit für eine besonders schnelle CPU.
In Skandinavien trinken die Menschen gerne und viel Kaffee. Diese Tatsache hat den Abfüller Merrild Kaffe im dänischen Kolding an seine Kapazitätsgrenzen gebracht. Das Unternehmen verarbeitet und verpackt ein Drittel des Kaffees, der jährlich in Dänemark konsumiert wird und hat keinen Platz für neue Verpackungsanlagen. Deshalb müssen die bereits installierten schneller laufen. Die Zykluszeit ist entscheidend, um Engpässe zu vermeiden.
Normalerweise liegt das maximum für die eingesetzte Art Packmaschine bei 40 Operationen pro Minute. Diese Grenze hat Merrild längst überschritten, in dem die Maschinen mit neuen, leistungsstärkeren Servomotoren ausgestattet wurden. Projektierung, Designänderungen und die Durchführung liefen in Eigenregie.
Doch der Kaffeeverpacker war schnell gezwungen, einen Schritt weiter zu gehen: Zwei Maschinen bekamen die neue, sehr schnelle SPEED7-CPU von VIPA. Sie erbrachte die Verdopplung der Verpackungskapazität, was die Erwartungen der Dänen bei weitem übertraf. Nach der Aufrüstung können die beiden Maschinen 25 bis 30 Prozent mehr Kaffee bewältigen als vorher. Die schnellen CPUs haben zwar viele konstruktive Umstrukturierungen erforderlich gemacht, damit die Mechanik mithalten konnte. Aber die Merrild-Techniker haben es vorgezogen die gut 30 Jahre alten Packmaschinen, die sie bis ins kleinste Detail kennen, zu behalten.
»Die Maschinen laufen schneller, sind gleichzeitig betriebssicherer, leiser und sie sind einfacher zu warten« sagt Robert Jürgensen, Produktionstechniker bei Merrild. »Eigentlich sollten sie entsorgt werden, aber wir haben die Schwachpunkte ausfindig gemacht und sie verbessert und jetzt laufen sie ziemlich gut.«
Ein Test hat gezeigt, dass die Maschinen problemlos bis zu 130 Prozent schneller laufen können. Doch damit kann der übrige Produktionsapparat des Unternehmens derzeit nicht mithalten.
Jürgensen: »Die Maschine hat überhaupt keine Stoppzeiten. Wir haben alles aus ihr herausgeholt, wovon wir anfangs nur träumen konnten. Die Maschine arbeitet absolut präzise und bleibt nicht im Formrohr hängen, was sonst der typische Schwachpunkt ist. Sie steht zu keiner Zeit still, sondern läuft ununterbrochen, solange sie mit Prägeband und Folie versorgt wird. Es gibt fast keinen Schwund an Folie! Die Präzision der Maschinen ist entscheidend. Die Trennung der Tütenfolie muss völlig einheitlich erfolgen, alle Funktionen müssen blitzschnell und präzise ablaufen. Das konnten wir mit den alten PLCs nicht ohne Kunstgriffe. Deshalb war es unbedingt notwendig, dass wir schnelle CPUs bekamen«, so der Produktionstechniker. »je schneller eine CPU, umso schneller kann die Maschine reagieren.«
Er hat die Zykluszeit der SPEED7 gemessen: Sie liegt unter einer Millisekunde. Die bisher verwendeten Prozessoren waren mit zehn Millisekunden auch vergleichsweise schnell, sie verursachten aber gleichzeitig Verzögerungen am Ein- und Ausgang. Dies dient zur Sicherung, damit die Maschine nicht verkehrt liest. Ein schneller I/0 war daher ein Muss.
30-mal schneller
VIPA´s SPEED7-CPUs gehören zu den schnellsten der Welt. Sie sind 30-mal schneller als herkömmliche STEP7-CPUs, aber mit der Steuerung von Siemens programmierbar und kompatibel. So können die Prozessoren beider Hersteller auch gemeinsam in einer Applikation geschaltet werden.
Siemens ist führend auf dem Markt, daher ist es hinterher einfacher bezüglich Service und Support, da viele die Sprache bereits kennen, argumentiert Verkaufsingenieur Soren Kvorning von Robotek EI & Teknik. Er war auch für einige Tage in Kolding vor Ort, um dem Kaffeeröster bei der Umrüstung zur Seite zu stehen. »Als verhältnismäßig kleiner Mitspieler auf dem Markt«, so Kvorning, »sind wir flexibel und darauf eingestellt, einen kompetenten Service zu leisten!«
Eine wichtige Funktion der CPU ist die präzise und einheitliche Durchführung der Operationen. Allein wenn eine Kaffeetüte eine tausendstel Sekunde schneller verpackt wird, steigt die Kapazität im Laufe eines Jahres um einige Tonnen Kaffee.
Rechts von der VIPA-CPU ist eine serielle Karte installiert ist. Links von ihr sitzt ein so genannter Speed-Bus von VIPA, der parallel mit jeder einzelnen I/0-Adresse kommuniziert. Mit einer Input Karte an diesem Bus kann ein Impuls von maximal 100kHZ gezählt werden. Die Backplane-Zeit ist laut Hersteller bis zu siebenmal schneller als bei Standardprodukten. Die Kombination aus der schnellen Kommunikation zwischen Karte und CPU sowie der schnellen Zykluszeit in der CPU ergibt eine extrem schnelle Reaktionszeit am Eingang.
Profibus und Ethernet sind standardmäßig integriert, ohne Mehrpreis. Mit dem Ethernet-Interface kann der Anwender über die CPU online gehen, oder er macht es wie Merrild und schließt sie an ein Bedienpult an. Auf diese Weise will das Unternehmen zusätzlich Produktionsdaten sammeln.
Obwohl das Projekt durch nicht geplante Kosten für externe Programmierhilfen wesentlich teurer als geplant wurde, gehen die Dänen von einem ROI innerhalb eines halben Jahres aus.






